Sprache und Veränderung

Sprache ist lebendig. Diese Aussage hört sich zunächst vielleicht etwas komisch an, aber wenn man sich diese Aussage noch mal auf der Zunge zergehen lässt: „Sprache ist lebendig.“ Da wird doch schnell klar, ja, an der Aussage ist etwas wahres dran.

Derzeit wird gerade mal wieder befürchtet, dass die deutsche Sprache verflacht und sich negativ verändert. Sicher ist, dass sich jede Sprache kontinuierlich verändert und das bringt immer auch negative Entwicklungen mit sich. Dabei bleibt aber offen, ob sich die negativen Entwicklungen auf Dauer auch durchsetzen können. Eigentlich ist es immer schwer zu beurteilen, welche Entwicklung sich wirklich durchsetzen wird. Ein Beispiel hierfür sind die jährlich gewählten Worte des Jahres, meist erinnert sich schon nach kurzer Zeit niemand mehr an sie.

Sprachwandel erleben wir überall im Alltag. Dieser Wandel der Sprache kann auch positiv sein und mal ehrlich, Einflüsse können nicht vermieden werden, selbst in Ländern wie Frankreich oder Spanien, die aktiv Sprachpolitik betreiben und beispielsweise Anglizismen vermeiden möchten, erreichen dieses Ziel kaum und je mehr Verbote oder Lenkungsversuche zu beobachten sind desto weniger scheinen diese Wirkung zu zeigen. Fakt ist eben, Sprache ist lebendig.

Häufig wird beklagt, dass Fehler begangen werden, die sich mit der Zeit einbürgern und dann akzeptiert würden. Gut, das mag als Feststellung sicher stimmen. Aber, warum werden Fehler gemacht? Kein Fehler ist zufällig. Sprachliche Fehler lassen sich auf gesellschaftliche Veränderungen zurückführen oder deuten auf künftige Veränderungen hin. Außerdem zeigen sprachliche Fehler wie jemand denkt, aus welcher Denkschule und aus welchem Sprachraum jemand kommt. Spanier machen bestimmte Fehler im Deutschen und Engländer machen andere und so weiter. Derzeit erleben wir in Deutschland seit 50 Jahren bewusst Migration. Alle vorherigen Migrationsbewegungen waren geografisch begrenzt, sie veränderten die Sprachsituation im Prinzip nicht. Doch das hat sich seit den Gastarbeitern und Folgegenerationen verändert. Die Schere zwischen dem Mündlichen und dem Schriftlichen entwickelt sich seither weiter auseinander, es gibt zahlreiche Dinge, die wir mündlich so sagen dürfen, aber niemals ausschreiben werden.

Problematisch ist, dass die Diskussion um den Sprachwandel emotional geführt wird. Das führt zu einer Art Verweigerung gegenüber Veränderungen, die jedoch gerade der Sprache zu eigen sind. Das ist eine paradoxe Situation. Es ist richtig, dass Sprachkontakt Sprache verändert, aber diese Veränderung ist eine Entwicklung und kann helfen veraltete oder nicht mehr nötige Aspekte der Sprache effektiver und besser auszudrücken.

Eins sollten wir uns immer wieder vor Augen führen, Sprache dient in erster Linie der Verständigung und da ist es eben nicht immer unbedingt zielführend Versatzstücke absolut korrekt zu formulieren. Beim Zusammentreffen verschiedener Kulturen kann das zur Verständigung sogar notwendig sein. Natürlich gibt es immer auch unterschiedliche Möglichkeiten bestimmte Dinge auszudrücken und die werden individuell eingesetzt und benutzt. Der Genitiv wird heute schon sehr gerne mit einem präpositionalen Ausdruck im Dativ umschrieben. Das ist völlig legitim.

Hinzu kommt, dass Menschen, die eine Sprache neu lernen, automatisch Muster, die sie aus ihrer Muttersprache kennen, übertragen. Sprache ist und bleibt hoffentlich lebendig.

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